
Manon Hily und „Trip Tik Tonik“ (9a): ein Projekt zwischen Engagement und Leistung
- 5min Wiedergabe
Nach „S’envoler“, kehrt Manon Hily in einem zweiten Film zurück, der sich auf eines ihrer prägendsten Projekte konzentriert: „Trip Tik Tonik“ (9a). Dieses neue Porträt, das gemeinsam mit YY Vertical Alexis Provence inszeniert wurde, taucht tief in einen intimeren Prozess ein, in dem sich die Leistung im Laufe der Zeit entwickelt – zwischen mentalem Engagement, Ausdauer und einer tiefen Verbindung zur Felswand.
Mit diesem Projekt vermittelt die französische Kletterin eine Sichtweise auf das Klettern, bei der das Ergebnis niemals die gesamte Erfahrung widerspiegelt. Hinter der Schwierigkeitsbewertung verbergen sich vor allem ein Entwicklungsprozess, Zweifel, wiederholte Versuche und eine sehr persönliche Art, Fortschritte zu erzielen.
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Ein wegweisendes Projekt in Manon Hily’s Werdegang
In einer Karriere, die bereits von Spitzenleistungen und mehreren nationalen Titeln geprägt ist, stellt „Trip Tik Tonik“ (9a) einen besonderen Meilenstein für Manon Hily. Mehr als nur eine schwierige Route symbolisiert das Projekt eine Art Kontinuität in ihrer Entwicklung als Kletterin, in der das Engagement am Fels einen immer wichtigeren Platz einnimmt.
Der 9a-Grad ist nach wie vor ein symbolträchtiger Schwierigkeitsgrad im Klettern. Ein Niveau, das ebenso viel körperliche Leistungsfähigkeit wie technische Präzision, mentale Stärke und konstante Leistungsfähigkeit erfordert. Hinter der endgültigen Leistung verbirgt sich oft ein langer Prozess, der auf Dutzenden von Trainingseinheiten, Anpassungen und Selbstreflexionen aufbaut. Manon hat bereits zwei 9a-Routen geschafft, die sie beide anschließend herabgestuft hat. Deshalb wollte sie sich an eine „echte“ 9a wagen, bei der die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung gering ist.
Im Film erscheint das Projekt weniger als ein Streben nach reinem Ergebnis, sondern vielmehr als ein umfassendes, auf Dauer angelegtes Experiment.
Trip Tik Tonik – eine Route mit Geschichte
„Trip Tik Tonik“ wäre ohne Cédric Lo Piccolo nicht das, was sie ist. Er war es, der sie 2004 in den Gorges du Loup eingerichtet hat – eines seiner ersten Projekte. Damals ging er von einem 8b aus. Die Route erwies sich jedoch als weitaus schwieriger und wurde schließlich mit 8c+ (für Fortgeschrittene) bewertet.
Einer der Höhepunkte dieses Films ist Cédrics Perspektive, die parallel zu Manons Geschichte erzählt wird. Um die Route begehbar zu machen, hatte Cédric zwei Griffe aus Sika angebracht und so zwei künstliche Griffe geschaffen, wo der Fels nicht ausreichte. Im Jahr 2010 kam es bei einer Begehung durch Guillaume Lebret zum ersten Bruch. Ein Bruch, der die Frage erneut aufwirft: Ist die Route in ihrem natürlichen Zustand begehbar? Guillaume glaubt, dass dies der Fall ist. Cédric beschließt daraufhin, die zweite Kante selbst zu entfernen, wodurch TTT seinen vollständig natürlichen Charakter zurückgewinnt – und sich dabei wahrscheinlich auch der Schwierigkeitsgrad erhöht.

Genau diese Route, in diesem Zustand, fand Manon vor, als sie in den Gorges du Loup ankam. Und dazu gab es noch eine Überraschung: Die Schlüsselstelle, die sie in den sozialen Netzwerken entdeckt hatte – eine dynamische Bewegung an einer Säule –, war ebenfalls verschwunden – der Griff war einige Wochen vor ihrer ersten Klettertour abgebrochen. Sie musste die Passage neu erfinden, und schließlich fand sie die Lösung, indem sie ein Knie auf den Fels setzte.
Das Gespräch zwischen Manon und Cédric nach der Route ist einer der interessantesten Momente des Films. Zwei Generationen, zwei Sichtweisen auf dieselbe Route – und eine umfassendere Reflexion über die Entwicklung der Kletterausrüstung. Knieschoner, technische Kletterschuhe, neue Methoden: Hilfsmittel, die neue Möglichkeiten eröffnen, aber auch die Frage aufwerfen, was sich dadurch an der Lesart und dem Schwierigkeitsgrad einer Route ändert.
Ein besonderes Verhältnis zur Leistung
Bei Manon Hily scheint Leistung nie losgelöst vom Gefühl zu sein. Das Ziel steht natürlich im Vordergrund, geht aber immer mit einer umfassenderen Reflexion darüber einher, wie man klettert, Fortschritte macht und das Projekt erlebt.
Dieser Ansatz spiegelt sich in der Art und Weise wider, wie sie seit Jahren an den Spitzensport herangeht. Die Leistung wird zu einem Antrieb, zu einem Rahmen, der dazu anregt, die eigenen Grenzen auszuloten, ohne jedoch die gesamte Praxis auf diese zu reduzieren. Was dabei vor allem hervorsticht, ist die Bedeutung, die dem persönlichen Engagement beigemessen wird: sich voll und ganz auf das einzulassen, was man tut, Phasen des Zweifels zu akzeptieren und trotz allem weiterzumachen.
Der Film zeigt auch, wie sehr die mentale Komponente bei solchen Projekten im Mittelpunkt steht. Am Fels ist nichts selbstverständlich. Man muss lernen, wieder von vorne anzufangen, es erneut zu versuchen und sich anzupassen – manchmal über einen langen Zeitraum hinweg.
Ein langfristiges Projekt aufbauen
Ein Projekt wie „Trip Tik Tonik“ entsteht nicht nach ein paar Versuchen. Es erfordert Zeit, Geduld und die Fähigkeit, einen manchmal unregelmäßigen Fortschritt zu akzeptieren.
In manchen Trainingseinheiten macht man schnelle Fortschritte. In anderen hat man das Gefühl, wieder einen Rückschritt zu machen. Dieser Wechsel ist ein fester Bestandteil des Prozesses. Die Herausforderung ist nicht nur körperlicher Natur: Man muss es auch schaffen, langfristig die Lust, die Motivation und die Klarheit im Kopf zu bewahren.
In dem Film spielt diese Zeitlichkeit eine wichtige Rolle. Man versteht, dass der letztendliche Erfolg die Momente des Zweifels oder der Frustration nicht auslöscht. Im Gegenteil, oft sind es gerade diese Momente, die dem gesamten Projekt seinen Sinn geben.

Dieser Ansatz verdeutlicht auch eine Realität des Kletterns auf hohem Niveau: zu lernen, mit Unsicherheit umzugehen, und zu akzeptieren, dass der Fortschritt niemals ganz geradlinig verläuft.
Die Klippe als Ort des Ausdrucks
Seit mehreren Jahren nimmt das Klettern an Felswänden einen zentralen Platz in Manon Hily’s Praxis ein. Dort findet sie etwas, das sich vom Wettkampf unterscheidet: eine freiere Beziehung zu Zeit, Bewegung und Umgebung.
Während Wettkämpfe einen genauen und unmittelbaren Rahmen vorgeben, lässt die Felswand mehr Raum für Erkundung, das eigene Gefühl und die persönliche Gestaltung des Vorhabens. Jede Route wird zu einem Erlebnis für sich.
In „Trip Tik Tonik“ taucht diese Beziehung zum Felsen immer wieder auf. Die Performance bleibt präsent, fügt sich jedoch in einen größeren Zusammenhang ein: die Suche nach Empfindungen, nach Gleichgewicht und nach einer Verbindung zur Umgebung.
Diese Dimension erklärt auch, warum manche Projekte eine Karriere nachhaltig prägen, unabhängig von der bloßen Zahl, die mit der Route verbunden ist.
Die Bedeutung des Umfelds bei einem hochkarätigen Projekt
Selbst in einer Einzelsportart lässt sich ein solches Projekt niemals ganz alleine verwirklichen. Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle, sowohl in Zeiten des Fortschritts als auch in schwierigeren Phasen.
Seit ihren Anfängen stützt sich Manon Hily auf eine enge Beziehung zu ihrem Trainer, der sie seit über fünfzehn Jahren begleitet. Eine auf diesem Niveau seltene Kontinuität, die zur Stabilität ihres Ansatzes und zu dem im Laufe der Zeit aufgebauten Vertrauen beiträgt.

Um sie herum gibt es auch Kletterpartner, Angehörige und all jene Menschen, die indirekt dazu beitragen, das für die Umsetzung eines solchen Projekts notwendige Gleichgewicht zu schaffen. Am Fels ist die Dynamik der Gemeinschaft allgegenwärtig, selbst wenn das Ziel sehr persönlich erscheint.
Der Film rückt diese menschliche Dimension in den Vordergrund, die für seine Art, das Klettern zu leben, von zentraler Bedeutung ist.
Mehr als nur eine Bewertung: Was hinter „Trip Tik Tonik“ steckt
Über den Schwierigkeitsgrad 9a hinaus ist „Trip Tik Tonik“ vor allem ein Meilenstein auf einem Weg, der auf Langfristigkeit ausgerichtet ist. Eine Möglichkeit, seine Grenzen weiter auszuloten und dabei seiner Vision vom Klettern treu zu bleiben.
Das Projekt erzählt sowohl von sportlichen Fortschritten als auch von persönlicher Entwicklung. Es handelt von Ausdauer, Engagement, aber auch von der Fähigkeit, dem zurückgelegten Weg einen Sinn zu geben, unabhängig vom Endergebnis.
Es hat auch eine ganz persönliche Seite. Rémy Bergasse, ein Kletterer und enger Freund, der vor etwa zehn Jahren verstorben ist, hat ihr eine andere Sichtweise auf das Klettern vermittelt: Spaß an den Projekten zu finden und entschlossen voranzugehen. Als sie symbolisch genau zehn Jahre später ihren ersten echten 9a-Route meisterte, dachte sie als Erstes an ihn.
In diesem Film teilt Manon Hily schließlich eine Herangehensweise an das Klettern, bei der Leistung niemals vom Rest getrennt ist: Sie speist sich aus Erfahrungen, zwischenmenschlichen Beziehungen und der Freude daran, langfristig etwas aufzubauen.
Wenn dieser Artikel deine Neugier geweckt hat, kannst du dir den Film kostenlos auf unserem YouTube-Kanal ansehen. Den vollständigen Bericht von Manon findest du unter„Manon Hily – Trip Tik Tonik (9a/5.14d)“.